Diana Gabaldon in Köln und am Rhein


So macht das Leben Spaß ... 

Die Lesung in Köln

Für mich begann der Tag in Köln ziemlich unspektakulär, ich musste wie immer um halb sieben aufstehen und dafür sorgen, dass meine Kinder in die Schule kommen. Nach der Lektüre meiner Morgenzeitung (nein, Bärbel hatte keine Filmkritik drin ...) fing ich an, diverse Matratzen, Bettdecken und Schlafsäcke zu suchen, in die richtigen Positionen zu zerren, die Gästezimmer zu lüften und anderes mehr. Übernachtungsgäste in der Menge habe ich ja auch nicht jeden Tag.Es plätscherte alles so lange in gewohnter Routine hin, bis Mohrli auftauchte. Wir hatten uns viel zu erzählen, das letzte Treffen war ja immerhin schon ein Jahr her; und unser letztes Telefonat ein paar Wochen. Wir verzogen uns direkt in den Garten, um meinen grottenschlechten Gatten nicht zu stören, der justament an diesem Tage für eine Prüfung zu lernen hatte. Da ist es äußerst praktisch und der Konzentration fördernd, wenn ein ganzer Haufen kreischender Weiber durchs Haus trampelt ... *ggg* Nach und nach trudelten auch die anderen ein.


Gespanntes Warten!

Wir haben im Garten dann gleich den von Silke mitgebrachten Pflaumenkuchen und die Muffins von Sanni umgebracht, bis mein Handy klingelte und Bärbel uns die freudige Nachricht überbrachte, dass wir mit einer Platzreservierung als „Special Group“ rechnen können. Wir haben uns wahnsinnig gefreut.
Gegen halb sechs brach dann das Aufbruchs-Chaos aus. Schuhe wurden gesucht, Haare gefönt, Bücher wurden eingepackt, die Takelage wurde hochgezogen und wir haben es entgegen allen Unkenrufen tatsächlich geschafft, pünktlich an der U-Bahn-Haltestelle zu sein. Die Bahn brachte uns dann auch rechtzeitig nach Köln auf den Neumarkt, wir hatten sogar noch Zeit, bei Burger King (würg, nie, nie, nie wieder) etwas zu essen und zu trinken. Nora meldete sich dann auch suchenderweise per Handy, fand uns dann bei Burger King an der Kasse. Dort konnte man übrigens der Verkäuferin beim Arbeiten die Schuhe besohlen, so schnell war die. Als die Letzte mit dem Tablett zum Tisch kam, waren die Ersten mit Essen schon fertig.

Bis zur Mayerschen war es ja nicht weit, kurz nach acht waren wir dort. Wir kämpften uns in die zweite Etage und fanden zu unserer Überraschung sämtliche Stühle besetzt – bis auf zehn Stück in der ersten Reihe! Dort lagen Reserviert-Blätter. „Das sind unsere!“, rutschte es mir raus. Wir stürmten unter den missbilligenden Blicken der Umstehenden zur ersten Reihe und nahmen unsere Plätze ein, sprangen direkt wieder auf, um Bärbel zu begrüßen, die den Herdenauftrieb mit einem Grinsen beobachtete.


Die waren laut und gut ... ;-)

Die letzte halbe Stunde bis zum Beginn der Veranstaltung verbrachten wir mit Besuchen auf der Toilette (Ja, geradeaus ging es in den Pausenraum der Mayerschen, wo Bärbel und Diana saßen.), Beobachten des Publikums und allgemeinen, manchmal sehr unqualifizierten Kommentaren über uns selbst und andere ... ungeduldigem Füßescharren ... was man eben in einer halben Stunde noch alles so machen kann.

Es ging dann doch irgendwann los: Eine Mitarbeiterin der Buchhandlung leitete den Abend ein, machte die üblichen Ankündigungen (kein Handy, kein Fotografieren), die üblichen Danksagungen (Wir danken dem Verlag ...usw.) und dann war es endlich so weit. Die Musik kam. Sie kam laut und gut in Gestalt von vier Männern und einer Frau in Kilts (WOW!, die sahen echt gut aus). Dann kamen endlich Bärbel und Diana auf die Bühne. Diana sah zauberhaft aus in irgendwas Flattrig-Buntem, Bärbel total stilecht in schwarzem T-Shirt und Reitrock. Diana sprach, Bärbel gab Zusammenfassungen in Deutsch ... gut gemacht, Bärbel.
Nicht zu vergessen natürlich, dass wir von Diana als "the ladies from the Writers Forum" gesondert begrüßt worden sind.

Wir haben zwei Auszüge aus LORD JOHN gehört und zwei Auszüge aus dem neuen Buch. Die nachfolgende Frage-und-Antwort-Stunde war sehr aufschlussreich und interessant. Neu war für uns die Ankündigung, dass es noch mindestens zwei Jamie-und-Claire-Bücher geben wird, zusätzlich zu dem einen oder anderen Lord-John-Buch. Hut ab, Diana, fleißig, fleißig.


Wir haben geduldig bis zum Schluss gewartet.

Es ging nun zur Signierstunde. Das war ein Andrang. Wir haben uns auf Anraten von Bärbel erst mal in ein Eckchen verzogen, um den großen Ansturm abzuwarten. Ein organisatorischer Fehler bei der Mayerschen war, dass für den Trinkwasserspender keine Becher vorhanden waren. Da war Wasser, wir hatten Durst, und nix zum draus Trinken.

Michael hat kurzerhand Bärbels Wasserglas von seinem Sohn von der Bühne holen lassen, bei dieser Gelegenheit haben wir gleich die gesamte Familie Schnell kennen gelernt. Die könnte ich ja glatt adoptieren, so nett, wie die sind. Ich habe Michael dann um das Glas gebeten, und die komplette Non-English-Section scharte sich um mich, zwecks Stillen des Durstes. Das Wasserglas war eine Zeitlang der am meisten gefragte Artikel in der Buchhandlung. Wir beobachteten noch ein bisschen die hart arbeitende Diana, den Fanclub, der mit einheitlichen, extra bedruckten T-Shirts auftauchte, hartgesottene Fans, die gleich alle Bücher, die sie im Freundeskreis einsammeln konnten, signieren ließen.


Wir sehen ja schon alle ein bisschen doof aus, nicht wahr?

Am Ende des Abends haben wir dann auch unsere Bücher und Eintrittskarten von Bärbel und Diana abzeichnen lassen, wir konnten noch ein paar Fotos machen, und dann wurden wir tatsächlich herauskomplimentiert – aber nicht, weil wir uns schlecht benommen haben, sondern weil die einfach den Laden schließen wollten. Es wäre schön gewesen, mit der gesammelten Mannschaft noch etwas in Köln trinken zu gehen, aber Bärbels Kinder sahen richtig müde aus.

Ein bisschen früher hätte das schon anfangen können, finde ich. Wir sind dann im Schweinsgalopp zur U-Bahn gehetzt (es war die letzte), wo wir dann  mit einem sehr unfreundlichen Fahrer zu tun hatten. Der Abend klang dann bei mir in der Küche aus, wo es morgens auch wieder anfing. Wir hatten noch ein sehr schönes Frühstück und dann zerstreuten sich die Mädels von der Non-English-Section wieder in alle Winde ...

Also eigentlich, ich könnte das noch mal machen ... und Ihr?

Die Gnade des richtigen Wohnsitzes

Oder: Manchmal hat man eben Glück, wenn man landschaftlich sehr schön wohnt. Einer unserer früheren Bundeskanzler (ja, es war der Dicke) hat den Ausdruck „Die Gnade der späten Geburt“ geprägt, vielleicht weil er froh war, für das, was vor Adenauer passierte, nicht verantwortlich gemacht zu werden.

Mein heutiges Geschichtchen endet übrigens in der Nähe des Adenauer-Hauses auf der Terrasse eines Winzers ... *hicks*: Unsere Idee, Diana und Bärbel einen Wein zukommen zu lassen, hatte für mich ein Nachspiel. Bärbel hatte sich sowohl per Mail an mich als auch im Forum an alle ja sehr artig bedankt. Und dennoch ... Samstag früh klingelte mein Telefon, Bärbel war dran. Sie bedankte sich nochmals für den Wein, auch im Namen von Diana, und man wolle besagten Wein denn dann am Abend – bei einem von Diana gekochten mexikanischen Essen – genießen; vorher sei noch ein Auftritt geplant.

 



Auf dem Schiff

Ich habe Bärbel einen schönen Abend bzw. einen schönen Tag gewünscht, und von ihr kam die Frage: „Was machst du denn am Sonntag?“ ... Ich darauf: „Nichts, wie jeden Sonntag.“
Ob ich denn Lust hätte, stellvertretend für die Forumsgruppe mitzukommen, ihr wäret ja leider alle zu weit weg. Man habe geplant, eine kleine Tour von Königswinter aus mit einem Schiff ein Stück den Rhein entlang zu fahren, bis Linz. Ab da wolle man zu Fuß über den Rheinhöhenweg zurück nach Bad Honnef laufen.
Mein Herz hüpfte, mein Blutdruck sank ... Traum? ... Nö, kein Traum. Natürlich habe ich sofort zugesagt. Um nichts in der Welt hätte ich mir das entgehen lassen. Als das Gespräch zu Ende war, habe ich mein Handy angeschaut und zu meinem Mann gesagt: „Das wirst du jetzt nicht glauben, aber rate mal ...“ Bärbel hat dann Abends noch einmal angerufen und Zeit und Ort bestätigt.

Sonntag Morgen bin ich gegen drei Uhr wach geworden; auch weil ich so aufgeregt war, aber in erster Linie, weil mein blöder Köter, den wir abends mit Lammknochen verwöhnt haben, im Schlafzimmer rumgefurzt hat wie ein Berserker. Um sechs Uhr habe ich dann Kaffee getrunken, Zeitung gelesen ... und mir die Zeit bis halb zehn vertrieben ... meine Güte, dass das so lange dauern kann ... Punkt elf Uhr stand ich dann – bepackt mit Rucksack – und sehr feuchten Händen und einem Knoten im Bauch in Königswinter an der Haltestelle der Köln-Düsseldorfer. Nach kurzer Zeit kamen Bärbels Mann Michael, ihr Sohn Julian und direkt dahinter Diana. Wir haben uns begrüßt, ich habe meine letzten englischen Broken rausgesucht, um ihr mitzuteilen, dass ich mich unglaublich freue, mitfahren zu dürfen. Bärbel hat auch irgendwann einen Parkplatz gefunden, sie war rechtzeitig zurück. 


Nach dem Aufstieg zur Erpeler Ley

Das Schiff kam, wir haben leider nur Stehplätze auf den Sonnendeck bekommen, aber die Aussicht konnten wir schon genießen. Bärbel und ich wetteiferten mit unserem Unwissen über diverse Sehenswürdigkeiten, an denen das Schiff vorbeifuhr. Aber irgendwie haben wir schon die interessantesten Sachen zusammenbekommen. Es ist auf dem Schiff auch nichts Spektakuläres passiert, außer dass jeder mal gewisse Örtlichkeiten aufgesucht hat; dass Julian erklärte, er sei dem Hungertode nah, er hat sich auf meine mitgebrachten Erdnüsse gestürzt. 

Als wir in Linz das Schiff verließen, enterten wir eine – wie sagte Bärbel so schön – Frittenscheune und labten uns an einem Mahl, bestehend aus Fritten und Mayo bzw. Fritten und Ketchup.

So gestärkt traten wir unseren Marsch an. War auch wirklich gut, dass wir etwas gegessen hatten, die Geschichte wurde dann richtig anstrengend. In Linz suchten wir den Wanderweg, der mit einem „R“ gekennzeichnet war, mit der Hilfe eines freundlichen Anwohners fanden wir den auch. Und von nun an ging es bergauf. Aber richtig bergauf. 


Geschafft!

Ich gehe mal davon aus, dass es nicht so rasend interessant ist, wenn ich jeden einzelnen Baum beschreibe, an dem wir vorbei gelaufen sind, deshalb beschränke ich mich darauf: Wir sind zügig durchmarschiert, haben endlos geschwitzt, waren zeitweise total außer Atem (ich zumindest, Bärbel eher nicht) ... wir haben ein paar wunderschöne Ausblicke auf den Rhein genossen; haben im ersten Drittel des Weges Julian bewundert, der herumtollte wie ein junger Hund – im letzten Drittel bat er uns, ihn zurückzulassen, weil er nicht mehr laufen konnte.

Gelegentlich haben wir eine Pause gemacht, so auch auf dem Erpeler Ley, von wo aus Graf Zeppelin seine Zeppeline starten ließ. Der dortige Was-auch-immer-für-ein-Verein veranstaltete am Sonntag einen Wandertag; wir haben davon profitiert, weil es gegen eine Spende kalte Getränke gab. Wir haben alte Abschussrampen für die V1 aus dem 2. Weltkrieg gefunden, Herbstzeitlose fotografiert, im Schatten dösende Katzen bestaunt. Zwischendurch hat jeder mal mit jedem geplaudert, über alles und jedes ... und ich habe wirklich meine letzten, allerletzten Vokabeln zusammengesucht und mich mit Diana mit Händen und Füßen versucht zu unterhalten. Zwischendurch sind Bärbel oder Michael immer wieder hilfreich übersetzend eingesprungen.


Herbstzeitlose, die stehen da einfach 'rum
Komischerweise rutschte das gesamte Gespräch immer wieder ins Englische ab, obwohl ich mich mit Bärbel sehr gut auf Deutsch verständigen kann ... *ggg*

Insgesamt vier Stunden sind wir gelaufen. Das war für mich als Nicht-Wanderer ganz schön hart, aber wie gesagt, ich wäre für diesen Tag auch vom Totenbett wieder aufgestanden. Wie viele Kilometer wir gelaufen sind, weiß ich nicht. Die Angaben zwischen dem Reiseführer und Dianas Meilenzähler differierten sehr stark. Ich sage einfach mal: Wir sind sehr weit gelaufen. Irgendwann ging es dann auch bergab, bergab ... auf Bad Honnef zu. Abends gegen sechs Uhr hatte die Zivilisation uns wieder. Zumindest haben wir die ersten Häuser gesehen. Auf dem Schiff hatte ich den Vorschlag gemacht, wenn Diana schon am Rhein entlang laufen muss, könnte man den Tag ja auch zünftig bei einem Winzer ausklingen lassen. Mein göttergleicher Gatte hatte für uns einen Tisch reserviert und sich zwischendurch bei mir per Handy erkundig, wo wir denn stecken.


Da möchte man auch Katze sein ... 

Als wir durch Bad Honnef liefen, fiel mir hinter uns ein Bus auf, der Richtung Rhöndorf (unsere Richtung) fuhr. Wir waren gerade auf der Höhe der Haltestelle, aber auf der falschen Seite. Als sprang ich (natürlich ich, wer macht so was Blödes sonst noch) quasi vor den Bus und zwang ihn zum Anhalten. Der Fahrer öffnete uns auch direkt die Tür, gab bereitwillig Auskunft, ob es für uns Sinn macht, mitzufahren, half mir noch, den günstigsten Fahrpreis für uns alle rauszusuchen, der war total nett. Als wir merkten, wie weit der Bus noch durch Bad Honnef fuhr, waren wir froh über diese spontane Idee. Von unserer Ausstiegshaltestelle bis zum Winzer waren es auch nur noch ein paar Meter, die haben wir gut geschafft.

Auf der Terrasse des Weinlokals wurden wir dann von meinem Mann und meiner Tochter begrüßt, und als Erstes bekamen wir ein Glas Sekt zur Begrüßung. Ziemlich erschöpft sanken auf die Stühle und ließen uns von der Bedienung beraten, was es denn Gutes zu essen gäbe. Ich zähle hier jetzt nicht auf, wer was gegessen hat, aber so viel möchte ich verraten: Diana hat zum ersten Mal in ihrem Leben Federweißen getrunken und Zwiebelkuchen gegessen, und nach ihrer Auskunft hat es ihr auch geschmeckt. (Mir übrigens auch.)


... irgendwo im Wald.

Da wir alle unterschiedliche Weine nach dem Essen getrunken haben, ließen wir die Gläser zum Probieren reihum gehen. Diana und ich haben uns für den Grauen Burgunder entschieden, und bei einem zweiten Glas – während Bärbel und Ralf das Auto aus Königswinter abholten – angeregt über das Schreiben, ihre Ringe, meine Ringe und allerlei anderes unterhalten. Die arme Bärbel musste fahren und durfte daher nichts trinken, aber wir haben vereinbart, dass wir das nachholen werden. 

Gegen acht Uhr haben wir dann die Runde aufgehoben, nach Krefeld ist es ja noch ein gutes Stück zu fahren. Die Verabschiedung war sehr herzlich und wir sind auseinandergegangen mit den Worten, dass es ein sehr schöner Tag gewesen ist.

Ein Nachtrag: Als Diana wieder in Amerika war, hat sie mir im Forum erzählt, dass sie noch nie einer Alkoholvergiftung so nahe gewesen ist wie an diesem Abend ... ;-)