Der Arm

(C) 2004 Monika Berrisch

Der junge Mann blickte mich mit seinen dunklen Augen an. Mir wurde warm ums Herz. Er hielt meine rechte Hand fest und strich mit seinen Fingern immer wieder über die Innenseite meines Handgelenks. Das Licht fing an zu flackern. Wie gut, dass ich saß, denn ich konnte spüren, wie meine Knie heiß und weich wurden.

Er leckte mit der Zunge über seine Lippen und strich weiterhin mit quälender Langsamkeit über die zarte Haut meines Unterarms. Er konzentrierte sich allein auf meine Haut; schloss er doch die Augen, während er alle Einzelheiten meines Arms zu ertasten versuchte.

Ich blinzelte. „Frank“ stand auf dem Namensschildchen, das er auf seiner rechten Brustseite trug. Hübscher Name.

„Haben Sie morgen Zeit?“ Diese Worte drangen wie durch einen Nebel zu mir. Langsam wurde mein Kopf wieder klar.

„Wie bitte?“, fragte ich zurück.

Frank ließ meinen Arm abrupt los. Ich hatte Mühe zu verhindern, dass die Hand auf den Untersuchungstisch klatschte.

Der Stuhl gab entsetzliche Geräusche auf dem Fliesenboden von sich, als Frank vom Untersuchungstisch an seinen Schreibtisch rollte. Er griff nach einem Terminbuch und blätterte darin herum. Dann sah er mich erneut durchdringend an. „Das muss operiert werden, wir können Sie morgen früh drannehmen, es hat jemand abgesagt. Können Sie das einrichten? Sie müssten sich allerdings spätestens heute Mittag auf der Station melden, für die Operationsvorbereitungen.“

Der Aufprall auf dem Boden der Realität war hart. Ich schluckte. „Morgen schon?“

Der Assistenzarzt mit dem Namen Dr. Frank Bröseldörfer nickte. „Sonst geht es erst wieder in drei Wochen. Fahren Sie nach Hause, packen Sie Ihre Sachen und kommen dann wieder her. Der Narkosearzt muss Sie ja auch noch sehen.“